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Frage des Monats

 

Gibt es Daten zu Rapilysin bei Hirninfarkt?

Antwort

 

FAZIT: In einer Reihe von nicht kontrollierten Studien mit kleiner Fallzahl wurde der intraarterielle Einsatz von Reteplase bei ischämischem Insult evaluiert und Rekanalisationsraten (zum Teil mit Zusatzinterventionen) bis 88% erreicht. In diesen Studien lag das Risiko für symptomatische intracerebrale Blutungen zwischen 6-12%. Studien zum intravenösen Gebrauch konnten in unserer Literatursuche nicht identifiziert werden. Das Medikament ist für die Indikation ischämischer Insult nicht zugelassen.

Rekanalisationsraten unter intraarterieller Reteplase bis 88% bei einem symptomatischen Blutungsrisiko zwischen 6-12%

Evidenzgrad 4

Fallstudien

Reteplase (Rapilysin) ist ein Plasminogen Aktivator, welcher zur thrombolytischen Therapie bei Herzinfarkt eingesetzt wird. Da die häufigste Komplikation Blutungen darstellt, kann bei einer Therapie mit Reteplase bei ischämischen cerebrovaskulären Ereignissen dieses Risiko den Therapienutzen übersteigen. Ischämische Insulte werden nicht als Indikation angeführt und Guidelines empfehlen die Anwendung bei dieser Indikation nur im Rahmen klinischer Studien (1-4).

In unserer Literatursuche fand sich eine Reihe von Studien zu diesem Thema, wobei Reteplase stets intraarteriell angewendet wurde. Studien zur intravenösen Anwendung konnten wir in unserer Literatursuche nicht identifizieren.

In einer kleinen Studie von Qureshi et al. (2001) wurde bei 16 Patienten (Æ 64a) mit ischämischen Insult 2-9 Stunden nach Symptombeginn Reteplase (maximale Dosierung 8 U) verabreicht. Bei 7 Patienten wurde zusätzlich eine Angioplastie durchgeführt. Bei 88% der Patienten kam es zu einer Rekanalisation, bei 44% wurde eine Verbesserung neurologischer Symptome detektiert. Bei einem Patienten entwickelte sich eine symptomatische intracerebrale Blutung, bei drei weiteren eine asymptomatische Blutung (5).

In einer weiteren Studie von Sugg et al. (2006) wurde bei 55 Patienten mit ischämischem Insult retrospektiv der Einsatz von Urokinase mit dem von Reteplase verglichen (mittlere Dosis 2,5 ± 1,4mg ) verglichen. Unter Reteplase zeigte sich eine Rekanalisationsrate von 82%, verglichen zu 64 % unter Urokinase. Symptomatische intracerebrale Blutungen traten unter Reteplase bei 12%, unter Urokinase bei 4,5% auf. Diese Unterschiede waren nicht statistisch signifikant (6).

Eine prospektiven, nicht randomisierte Studie von Qureshi et al (2006) hatte zum Ziel, die maximal tolerable Dosierung von intraarteriell verabreichter Reteplase in Kombination mit intravenösem Abciximab (Plättchen Glyocprotein IIb/IIIa Inhibitor / Verhindert die Plättchenaggregation) innerhalb von 3-6 Stunden nach ischämischem Insult zu evaluieren. In dieser Studie wurden 20 Patienten ansteigende Dosen von Reteplase (bis max. 2U) gegeben und symptomatische und asymptomatische intracerebrale Blutungen erfasst. Es trat in dieser Studie eine symptomatische intracerebrale Blutung (in der 1Unit Dosierung) auf, partielle oder komplette Rekanalisation wurde bei 65% der Patienten erreicht (7,8).

In einer weiteren retrospektiven Studie von Misra er al (2011) wurden bei 125 Patienten mit ischämischem Insult der Zusammenhang von verschieden Dosierungen von Reteplase (1-8mg) mit sypmtomatischen intracranialen Blutungen analysiert. Ein Grossteil der Patienten erhielt zusätzlich eine mechanische Thrombolyse. Symptomatische intracerebrale Blutungen traten insgesamt in 8% auf, es fand sich keine Dosisabhängigkeit.

Referenzen:

 

  • 1. UptoDate, Reteplase Drug Information
  • 2. Austria Codex Fachinformation, abgerufen Mai 2011
  • 3. Campbell J, Hillemann D Recombinant peptides in thrombolysis. Semin Thromb Hemost. 2010 Jul;36(5):529-36. Epub 2010 Jul 14.
  • 4. Albers GW, Amarenco P, Easton JD, Sacco RL, Teal P; American College of Chest Physicians. Antithrombotic and thrombolytic therapy for ischemic stroke: American College of Chest Physicians evidence-based clinical practice guide- lines (8th edition). Chest 2008;133(6, Suppl):630S-669S
  • 5. Qureshi AI, Ali Z, Suri MF, Kim SH, Shatla AA, Ringer AJ, Lopes DK, Guterman LR, Hopkins LN: Intra-arterial third-generation recombinant tissue plasminogen activator (reteplase) for acute ischemic stroke. Neurosurgery 49:41-50, 2001.
  • 6. Sugg RM, Noser EA, Grotta JC. Intra-arterial reteplase compared to urokinase for thrombolytic recanalization in acute ischemic stroke. Am J Neuroradiol 2006 Apr;27(4):769-73.
  • 7. Quereshi AI, Harris-Lane P, Montgomery MO. Intra-arterial Reteplase and intravenous Abciximab in patients with acute ischemich stroke: an open -label, dose ranging, phase I study Neurosurgery 59:789-797, 2006
  • 8. Nguyen TN, Babikian VL, Norbash AM. Intra-arterial treatment methods in acute stroke therapy Front Neurol. 2011 Mar 8;2:9.
  • 9. Misra bV, El Khoury R, Savitz SI. Safety of High Doses of Urokinase and Reteplase for Acute Ischemic Stroke. Am J Neuroradiol. 2011 Feb 24.